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Früher Model, heute Umweltschützer

York Hovest hat über 15 Jahre als Model und Modefotograf gearbeitet. Eine Begegnung mit dem Dalai Lama veränderte sein Leben. Heute engagiert er sich für den Meeresschutz - teils mit extremen Aktionen.

10. Juni 2020

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Kluge Köpfe kommen im Laufe ihres Lebens zu der Erkenntnis, dass Schönheit, Erfolg oder Geld nicht zwangsläufig zufrieden machen müssen.

Siddharta hatte diese Erkenntnis etwa 500 vor Christus. Während seines Lebens in Reichtum, erkannte er eine Sinnlosigkeit in seinem bisherigen Dasein.

Die Erleuchtung erhält man so nicht...

Und auch, wenn Siddharta und York Hovest sonst nicht viel gemeinsam haben dürften, merkte auch Hovest, nachdem er 10 Jahre lang als Model und fünf Jahre als Modefotograf um die Welt gejettet war, dass er sich immer weniger mit diesem Leben identifizieren konnte. Im Gespräch mit ways2live sagt der heute 41-Jährige:

 

"Ich war auf der Suche nach etwas Bleibendem. Nach etwas, das die Menschen nachhaltig bewegt."

 

Die Begegnung mit dem Dalai Lama

Die Möglichkeit, sich mit etwas Höherem zu beschäftigen, erhielt Hovest im August 2011, als er zum ersten Mal auf seine Heiligkeit, den Dalai Lama, traf. Über Beziehungen erhielt er die Gelegenheit, das spirituelle Oberhaupt der Tibeter drei Tage lang als Fotograf begleiten zu dürfen. "Der Dalai Lama ist eine ganz besondere Persönlichkeit", sagt Hovest. "Die Ruhe, die er ausstrahlt, gibt einem ein unglaublich friedliches Gefühl. Er ist völlig bei sich und seiner Botschaft, die er seit vielen Jahren überbringt: Glaube, Hoffnung und Mitgefühl. Man fühlt mit ihm mit. Das hat mich dazu gebracht, ihm etwas zurückgeben zu wollen."

 

Am nächsten Tag schrieb Hovest dem Dalai Lama einen Brief mit einem Versprechen.

Er wollte nach Tibet reisen, auf eine in China illegale Expeditionsreise an entlegene Orte, um Bilder einzufangen, die der Dalai Lama seit seiner Vertreibung nicht mehr gesehen hatte.

Kurz darauf brach Hovest nach Tibet auf, und dokumentierte auf zwei abenteuerlichen Expeditionen das Leben, die Geschichte und das Schicksal der Menschen dort.

Für das perfekte Foto des Mount Everest, eine Langzeitbelichtung der Nordflanke, riskierte Hovest sogar sein Leben.

Nachts steigt er allein vom Lager aus eine Stunde hinauf auf 5200 Meter. Es hat minus 10 Grad. Für die Aufnahme muss Hovest immer wieder die Handschuhe ausziehen. Nur ganz kurz, sonst kann er sie vor Kälte vielleicht gar nicht mehr bewegen. Die Hände schmerzen vor Kälte. Erst nach der 10. Langbelichtung hat er das Foto im Kasten. "Die Aufnahme meines Lebens", sagt Hovest.

In solch einer Höhe wird das Blut nicht mehr ausreichend mit Sauertoff versorgt. Nicht umsonst heißt die Spitze des Berges, über 7000 Metern, "Todeszone". Am höchsten Berg der Erde sind bislang über 300 Menschen gestorben. Einer in dem dem Lager, in dem Hovest in dieser Nacht sein Zelt aufschlug.

2014 überreicht Hovest dem Dalai Lama bei ihrem zweiten Aufeinandertreffen seinen Bildband "100 Tage Tibet - Das Versprechen“.

"Die Beschäftigung mit dem Buddhismus hat mich gelehrt, die Menschen mit mehr Mitgefühl zu betrachten.

Und immer Dankbarkeit für das, was ich habe, zu empfinden."

Ein Tibeter mit seinem Sohn.

Seitdem sind Models für Hovest kein interessantes Motiv mehr. Er möchte etwas bewegen.

Seine Liebe zum Tauchen brachte ihn zu seiner heutigen Passion: dem Schutz der Meere.

Plastik, Erdöl, Überfischung - das Meer stirbt vor unseren Augen.

"Das ist eine Verantwortung, die wir alle tragen. Wir dürfen es nicht den zukünftigen Generationen überlassen, unsere Fehler zu richten."

Hovest will etwas tun. Und hat aus diesem Grund das globale Projekt "Heroes of the Sea" ins Leben gerufen. Das Ziel: Eine Datenbank mit allen Menschen und Projekten, die sich mit der Rettung der Meere auseinandersetzen. Für sein Buch "Heroes of the Sea", ("Helden der Meere", erschienen bei teNeues) hat er die Arbeit von Menschen unterstützt und dokumentiert, die sich aktiv für die Rettung der Meere einsetzen. Mit der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd etwa ging Hovest auf "Jagd" illegaler Fischer im atlantischen Ozean vor Afrika.

Dort fotografierte er, wie manche Fischer Tiere, die sie nicht zu Geld machen können, tot von Bord werfen. Auch Schildkröten, Haie, Delfine, und sogar Wale.

"Mir stehen die Tränen in den Augen" schreibt Hovest in seinem Buch.

"Doch ich muss weiterfotografieren. Denn mit diesen Bildern will ich zeigen, was hinter dem Fischangebot steckt, was wir täglich im Supermarkt präsentiert bekommen."

Hovest im Atlantik. Hinter ihm das gefährlich aussehende Haimaul auf der Sea Shepherd.

Hovest Buch "Helden der Meere" von teNeues.

Hovest beim Säubern von gezüchteten Korallen.

Um auf den Klimawandel, Plastikmüll und die durch Überfischung bedrohten Ozeane aufmerksam zu machen, hat Hovest Anfang 2020 eine extreme Aktion gewagt: Er ist über den Atlantik gerudert.

Nach 50 Tagen und 5060 Kilometern im Ruderboot, nach wundgesessenen Hintern, blutigen Händen und 12 Kilo leichter, hatten er und seine zwei Mitstreiter Barbados erreicht.

Wie viele andere Tiere des Meeres ains auch Haie bedroht.

"Als Taucher liebe ich das Meer", sagt der Fotograf. "Da ich auch meinem Sohn diese Liebe vermitteln möchte, muss ich mich dafür einsetzen, die Meere zu retten."

Text

Jennifer Köllen

Fotos

York Hovest

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