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Ist Flucht die Lösung?

Lena hat eine 90-Stunden-Woche, ihr Freund Ulli Burnout. Beide brauchen eine Pause, hauen einfach ab. Doch ihre Probleme nehmen sie mit...

14. April 2019

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Manchmal ist das Leben ganz schön beschissen. In so einer Zeit würde man am liebsten alles hinschmeißen und abhauen. Was sich die wenigsten trauen, haben Lena und Ulli getan. Sie sind 22 Monate mit dem Land Rover durch Afrika gefahren. Dass die Reise eine Flucht war, die sie nicht näher zusammenbrachte, sondern noch mehr voneinander entfernte, merkten die beiden erst unterwegs.

Lena Wendt und Ulli Stirnat, beide 33

Ulli ist studierter Medizintechniker, Lena Fernsehjournalistin.

Es war im Winter, in Februar 2014. Lena ist als Tv-Journalistin erfolgreich, sieht gut aus, hat viele Freunde und einen lieben Freund, Ulli. Doch nach mehreren Drehs mit 90-Stunden-Wochen weiß sie nicht mehr wirklich, wer sie ist und was sie braucht. Hat sie es überhaupt jemals gewusst?

Nach einer anstrengenden Woche kommt sie von einem Dreh zurück, Ulli holt sie vom Flughafen ab. Mit verweinten Augen. Er ist zuhause zusammengebrochen. Weil er seit Jahren das gemacht hat, von dem er dachte, dass er es machen muss. Studium, Praktika, Arbeit. Das bringt schließlich Sicherheit, Geld. Und das ist wichtig, und gut. Oder?

Ulli funktioniert, hinterfragt nicht. Hört nicht in sich hinein, verdrängt Stimmen im Kopf, die erst leise, aber dann immer lauter werden. Und fragen: Was machst du da? Das macht dich doch gar nicht glücklich. Für ein neues Projekt reißt er sich "den Arsch auf". An diesem Samstagnachmittag fällt ihm beim Saubermachen den Staubsauger aus der Hand. Danach liegt er zwei Stunden auf dem Boden und weint.

Lena fährt mit ihrem Freund erstmal in die psychiatrische Notfallambulanz. "Denn ich habe mich sofort gefragt: Wie kann ich ihn halten? Was ist, wenn er sich was antut? Ich hatte schon mal eine Freundin an einer Depression verloren, ich hatte unglaublich Angst", erzählt Lena im Interview mit ways2live.

2 Jahre auf 2 Quadrat-metern. Da nervt man sich schon mal an...

In den nächsten Wochen machen beide eine Therapie, reden viel. "Es war schnell klar, dass sich bei mir etwas verändern muss", sagt Ulli. Er kündigt.

Auch Lena macht sich viele Gedanken. "Ich habe mich gefragt, was in unserer Gesellschaft falsch läuft. Warum jemand, dem es eben noch vermeintlich gut ging, lötzlich im Bett liegt und nur noch zittert." Irgendwann Lena hat eine Vision. Eine Auszeit. Einfach wieder aus der Wohnung ausziehen, in die diie gerade erst eingezogen sind. Einen gebrauchten Land Rover kaufen. "Es war schon immer mein Traum, mit dem Auto durch mein Afrika zu fahren. Ich war schon oft dort herumgereist und wusste: Dieses Land erdet mich. Warum also nicht sofort?"

Lenas Plan, sechs Monate duch ihr Lieblingsland zu reisen, findet Ulli super. "Ablenken und all die Scheiße hinter mir lassen - ich dachte, dann geht es endlich gut. Woran ich nicht gedacht habe: Dass ich meine Problemen natürlich mitnehme."

Und auch Lena denkt sich daran, dass Ullis Depression durch Flucht nicht einfach verschwinden wird. Und auch ihr Bedürfnis nach Freiraum unterschätzt sie. Was ich auch unterschätzt habe, ist mein Bedürfnis nach Freiraum."

Diese und noch andere Probleme holen das Paar, das zu diesem Zeitpunkt erst seit 9 Monaten zusammen ist, schnell ein. Und das auf nur zwei Quadratmetern im selben Auto, ohne Fluchmöglichkeiten...

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Bereits auf dem Weg durch Europa kracht es - bereits wegen Kleinigkeiten. Und auch, als sie in Marokko ankommen und endlich durch Afrika reisen, wird die Stimmung nicht wirklich nicht besser. Das merkt man auch, wenn man sich die Reisedokumentation "Reiss aus" ansieht, welche die beiden über ihren Trip gemacht haben. Nach drei Wochen Fahrt spricht Lena in die Kamera: "Uli geht mir jeden Tag mehr auf den Sack." Kilometer um Kilometer merkt das Paar, das erst seit einem dreiviertel Jahr zusammen ist, wie unterschiedlich es eigentlich ist. 

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Jennifer Köllen

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