Job

Kategorie unterstreichen

Die Hände am Feuer, die Füße im Himmel

Kilian Trenkle hat zwei Jobs. Er hat ein Yoga-Business und ist Kuhschellenschmied. Genau diese Mischung aus Sinnlichkeit und Kraft gibt dem 31-Jährigen, was er im Leben braucht.

9. November 2018

Scrollen Sie nach unten

"Als Mann machen einem männliche Dinge eben Spaß. Und es gibt keinen männlicheren Beruf als das Schmieden. Ein Kraftakt nah am Feuer, wo es so heiß ist, dass du fast nicht mehr hinlangen kannst. Du holst das glühende Stück Eisen aus dem Feuer, ziehst es auf den Amboss und schmetterst mit dem Hammer darauf. Schlag auf Schlag formt sich das harte Eisen so, wie du es willst. Der Schweiß tropft, du hast schwarze Hände.

Kilian Trenkle

.. hat seine Lehre zum Industriemechaniker abgebrochen. Heute führt der 31-Jährige ein weltweit erfolgreiches Unternehmen.

Mein Vater ist Schlossermeister und einer der letzten Kuhschellenschmiede in Bayern. Er hat schon immer den Anspruch gehabt, mir sprichwörtlich das Feuer und somit die jahrhundertealte Familientradition weiterzugeben. Aber er hat mich nie dazu gedrängt.

Der Wunsch sollte von mir kommen.

Als Kind habe ich das alles noch nicht so ernst genommen. Wobei ich es schon toll fand, dass ich zu ihm gehen konnte, wenn ich zum Spielen ein Schwert haben wollte. Dann sind wir vom Wohnhaus meiner Eltern im Allgäu hinüber in die große, alte Schlosserei und Schellenschmiede gegangen, welche 1839 erbaut wurde, und haben es im Feuer selbst geschmiedet. Meine Quelle für Handwerk und Inspiration.

Schlag auf Schlag formt sich das harte Eisen so, wie du es möchtest.

Als Teenager hatte ich dann eher Interesse an Partys und Mädels. Und nach dem Abi keine Ahnung, was ich studieren sollte. Schmied wollte ich erstmal nicht werden.

Eines Tages hatte ich wieder Sehnsucht nach dem Feuer. Da hab ich zu meinem Vater gesagt: „So Vattr, jetz zeig mir mol wie des mit‘m Schellenschmieden goht!“ Und er: „Endlich, Kerle..." Jeder freut sich ja, wenn die Kinder das weiterführen, was man liebt.

Wobei Schmieden für mich eher ein Hobby ist. Eine Woche im Monat stehe ich in der Schmiede. Dort kann ich komplett abschalten. Eine mittelgroße Schelle dauert acht Stunden. Irgendwann denke ich dabei nicht mehr, gehe vollkommen im Schaffen auf.

 

Dann bin ich in der Zone - ein richtig geiles Gefühl

Familie und Tradition ist mir sehr wichtig. Meinem Kind werde ich auch das Schmieden beibringen. Mein Vater und ich machen das auch oft zusammen. Der Schmiedschlag ist schön: Mein Vater hält das Eisenstück und gibt mit einem kleinen Hammer den Takt vor, ich habe etwas mehr Kraft und darf mit dem großen Hammer den zweiten Schlag machen. Dadurch gibt es dieses schöne Zing-Zang-Zing-Zang-Geräusch.

Kilian in Aktion - in der alten Schlosserei und Schellenschmiede, welche 1839 erbaut wurde

Schmied und Yogi

Ich brauche das Schmieden als Ausgleich zu meinem Job. Damit meine Hände nicht zu weich werden und meine Kumpels mich nicht für ein Regenbogenmädchen halten.

Denn neben dem Schmieden dreht sich mein Leben um Yoga und Meditation. 

Meine Mutter hat schon mit mir im Bauch Yoga gemacht. Mit 22 bin ich zum ersten Mal in eine Yogaklasse gestolpert.

Danach habe ich mich sauwohl gefühlt. Meine Alltagssorgen waren weg, mein Körper hat sich im Fluss angefühlt, meine Wahrnehmung war eine ganz positive. Also habe ich weitergemacht.

Damals war Yoga noch nicht so angesagt. Meine Freunde fanden es schon etwas... ungewöhnlich. Ich hab die dann einfach mal mitgeschleppt. Keiner hat danach gesagt: Ich fühl mich scheiße, und all die gutaussehenden Mädls, voll doof.

Irgendwann meinte die Yogalehrerin in einer Stunde: "Der Kopfstand ist der König aller Haltungen. Der bringt dir Gesundheit, einen klaren Geist, Ausgeglichenheit, alles". Wir sollten ihn probieren. Keiner hat es geschafft.

Da dachte ich mir: Es wäre doch toll, ein Produkt zu haben, dass die Königsdisziplin des Yoga für fast alle möglich macht!

In den nächsten Wochen stand ich nur in der Werkstatt und habe erst den Entwurf für einen Yogastuhl gezeichnet und ihn dann aus Holz gebaut und immer wieder verbessert. Mein Vater hat mir dabei geholfen. Ich wusste einfach: Das wird mein Business. Und schnell wusste ich auch den Namen. Feet Up!

Kilian steht Kopf - auf seinem FeetUp Kopfstandhocker

Natürlich hatte ich am Anfang auch Angst, dass es nicht klappt mit Feet Up. Die ersten zwei Jahre war es schwer, da hab ich auch mal überlegt, alles hinzuschmeißen. Grundsätzlich bin ich aber ein Optimist. Am Ende des Tages war das Vertrauen größer, dass es was wird. Und auch meine Familie hat mich immer unterstützt und gesagt: Bleib dabei, das wird!

Mittlerweile wird der Feet Up in 19 Länder versendet. Mario Götze hat sich auch einen abgeholt. Und mein Business wird immer erfolgreicher.

Für mich ist es essentiell, eine Arbeit zu haben, die mir Spaß macht. Wenn du selbstständig bist, kannst du noch dazu selbstbestimmt arbeiten. Die Dinge so umzusetzen, wie man es selbst möchte, birgt die größte Kraft fürs eigene Schaffen.

Erfolg ist für mich eine Mischung aus viel Arbeit und Glück.

"Wir haben einen großen Familienzusammenhalt", sagt Kilian, "alle arbeiten mit. Mein Vater hat bei der Entwicklung des Produkts geholfen, meine Mutter hilft beim Vertrieb. Meine Schwester macht Social Media und betreut Events und Feet-Up-Partnerstudios."

Heute mache ich jeden Tag Yoga. Ich bin dadurch beweglicher, fitter, fühle mich besser in meinem Körper, bin ausgeglichener, glücklicher.

Yoga überträgt sich auf dein ganzes Leben.

Aber nur dann, wenn du die Achtsamkeit, die du erlernst, mit in den Alltag trägst.

Meditieren kann man auch gut zwischendrin, wenn man spontan Zeit hat. Heute morgen hatte ich einen Termin, die Person ist nicht erschienen. Da hab ich mich einfach vor dem Haus auf die Stufen in die Sonne gesetzt und stattdessen eine Stunde meditiert. Es war herrlich.

 

Kilian ist ein Optimist. "Aktuell habe ich alles, was ich mir wünschen würde."

Ich habe mich mit zwei Hobbys, die mir sehr viel Spaß machen, selbstverwirklicht.

Dazu eine tolle Freundin und Familie. Freunde. Aktuell habe ich alles, was ich mir wünschen würde.

Die Menschen, die immer nur nörgeln, kann ich nicht verstehen.

Geht raus in die Natur, mach Yoga, meditiert, denkt positiv - dann wird alles schon werden.

Protokoll

Jennifer Köllen

Bild

Peter von Felbert, www.bayern.by

Teile diesen Artikel

Mitreden

Weitere Geschichten

Mach Dein Ding

"Macht, worauf ihr Bock habt!"

Titus Dittmann, 69, gilt als "Vater der deutschen Skateboardszene". Der draufgängerische Lehrer hat aus Skateboarden einen Beruf gemacht. Heute gehören ihm knapp 100 Firmen.

Reisen

Interview mit Gwen und Patrick von "WEIT"

Als Paar um die Welt trampen - und dann kommt ein Baby.

Coach

Das macht uns wirklich glücklich

Die Ergebnisse der größten Glücksstudie der Welt.

Du hast selbst eine Geschichte zu erzählen oder kennst jemanden, über den wir berichten sollten?